
Düsseldorf Nach einer zwischenzeitlichen Konsolidierung am gestrigen Donnerstag dürfte der Dax am heutigen Freitag wieder freundlich in den Handel starten. Auf außerbörslichen Handelsplattformen notiert der deutsche Leitindex bei 12.915 Punkten, 40 Zähler über dem gestrigen Vortagesschluss.
Nach einem Plus von fast zwei Prozent am Vortag ging der deutsche Leitindex am Donnerstag mit einem Minus von 0,4 Prozent bei 12.875 Punkten aus dem Handel.
Die Unternehmensseite: Wie geht es mit dem Kurs von Qiagen weiter? Der US-Laborausrüster Thermo Fisher hat sein Übernahmeangebot von ursprünglich 39 auf 43 Euro erhöht.
Mit Volvo und Ericsson präsentieren gleich zwei größere schwedische Unternehmen am Freitag ihre Zahlen. Auch der New Yorker Vermögensverwalter Blackrock gibt Einblick in seine Bücher. Das Ergebnis des Autobauers Daimler, der am gestrigen Donnerstagabend vorläufige Geschäftszahlen veröffentlicht hat, lässt den Aktienkurs nachbörslich steigen.
Im Fokus für die Anleihen- und Devisenmärkte steht an diesem Freitag vor allem ein Termin: der EU-Gipfel in Brüssel, auf dem die Staats- und Regierungschefs über den 750 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds beraten. Es gibt jedoch einige Streitpunkte, sodass zähe Verhandlungen erwartet werden.
Der Termin ist wichtig, weil aus Sicht der Europäischen Zentralbank (EZB) endlich die Regierungen beim Zusammenspiel zwischen Geld- und Finanzpolitik die Führung übernommen haben. Darauf hatte EZB-Chefin Christine Lagarde ebenso wie ihr Vorgänger Mario Draghi immer wieder gedrängt.
1 – Vorgaben aus den USA
Aus Furcht vor Verzögerungen bei der Erholung der Wirtschaft machen einige US-Anleger Kasse. Der US-Standardwerteindex Dow Jones fiel am Donnerstag um 0,5 Prozent auf 26.734 Punkte und der breit gefasste S&P 500 büßte0,3 Prozent auf 3215 Punkte ein. Der technologielastige Nasdaq, der zuletzt von Rekord zu Rekord geeilt war, gab 0,7 Prozent auf 10.473 Punkte nach.
Zwar stiegen die US-Einzelhandelsumsätze im Juni um überraschend starke 7,5 Prozent. Vor dem Hintergrund der wieder steigenden Coronavirus-Infektionen stelle sich aber die Frage, wie es weitergehe, sagte Michael Hans, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Clarfeld Citizens. Schließlich liefen zum Monatsende Pandemie-Sonderhilfen für Selbstständige aus.
Ein weiterer Belastungsfaktor seien die anhaltenden Spannungen zwischen den USA und China, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Die beiden weltgrößten Volkswirtschaften liegen bei zahlreichen Themen wie dem Sicherheitsgesetz für Hongkong über Kreuz.
2 – Handel in Asien
Die Tokioter Börse hat sich am Freitag kaum bewegt. Der Nikkei der 225 führenden Werte verharrte am späten Vormittag auf 22.773 Punkten. Der breiter gefasste Topix verlor indes 0,2 Prozent auf 1576 Zähler.
Bei den Einzelwerten ließen die Aktien von Nissan Motor knapp ein Prozent Federn. Der angeschlagene japanische Autobauer plant angesichts der Coronakrise Insidern zufolge eine drastische Produktionskürzung im laufenden Jahr.
Die Zahl der hergestellten Fahrzeuge werde im Zeitraum April bis Dezember um 30 Prozent sinken, sagten zwei mit den Plänen vertraute Personen. Nach 3,7 Millionen produzierten Fahrzeugen im Vorjahrszeitraum würden in der laufenden Periode nur rund 2,6 Millionen eingeplant.
3 – EU-Gipfel zum Wiederaufbaufonds
Bundeskanzlerin Angela Merkel und die übrigen EU-Staats- und Regierungschefs verhandeln ab 10 Uhr in Brüssel über den 750 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds in der Coronakrise. Geklärt werden soll zugleich der nächste siebenjährige EU-Finanzrahmen im Umfang von mehr als einer Billion Euro. Erwartet werden schwierige Verhandlungen. Der EU-Gipfel ist bis Samstag angesetzt.
Die Europäische Union erwartet für dieses Jahr wegen der Pandemie die schwerste Rezession ihrer Geschichte. Der Wiederaufbauplan soll den EU-Staaten aus der Krise helfen und gleichzeitig Digitalisierung und Klimaschutz voranbringen.
Auf dem Tisch liegt der Vorschlag, die 750 Milliarden Euro im Namen der EU als Schulden aufzunehmen. Davon sollen 500 Milliarden Euro als Zuschüsse an die EU-Staaten gehen, 250 Milliarden als Kredite. Umstritten ist jedoch das Prinzip der Zuschüsse, die Summen, die Maßstäbe zur Verteilung und die Kontrolle der Verwendung.
4 – Höheres Übernahmeangebot für die Qiagen-Aktie
Der US-Laborausrüster Thermo Fisher Scientific stockt sein Übernahmeangebot für Qiagen um 900 Millionen auf rund 11,3 Milliarden Euro auf. Die Amerikaner bieten für das deutsch-niederländische Biotech-Unternehmen nun 43 statt 39 Euro je Aktie.
Damit will Thermo Fisher ein Scheitern der Übernahme vermeiden, das wegen des Widerstands mehrerer Qiagen-Aktionäre droht. Die im Nebenwerteindex MDax notierte Qiagen-Aktie legte um 1,6 Prozent auf 41,61 Euro zu.
Um seine Übernahmechancen zu erhöhen, begnügt sich Thermo Fisher nun zudem mit einer Annahmequote von zwei Drittel der Qiagen-Aktien. Bisher lag die Schwelle bei 75 Prozent.
Doch hatten bis Anfang dieser Woche nur 2,1 Prozent der Qiagen-Aktionäre die Offerte aus den USA angenommen. Das ist nicht ungewöhnlich, warten doch die meisten Großinvestoren bis zum Schluss ab.
Der Hedgefonds Davidson Kempner, der drei Prozent an Qiagen hält und den Widerstand angeführt hatte, ist mit der Offerte immer noch unzufrieden. Der Fonds werde seine Aktien für 43 Euro aber nicht verkaufen und andere Aktionäre aufrufen, es auch nicht zu tun. Selbst als eigenständiges Unternehmen sei Qiagen 48 bis 52 Euro je Aktie wert.
5 – Blackrock öffnet seine Bücher
Der weltgrößte Vermögensverwalter mit Sitz in New York legt am Freitag seine Zahlen vor. Auch aufgrund der starken Finanzmärkte rechnen Investoren damit, dass das Geschäft im zweiten Quartal gut gelaufen ist.
Nachdem viele Investoren im ersten Quartal Kapital abgezogen hatten, haben sie im zweiten Quartal wieder investiert. Zum 31. März 2020 verwaltete die von Larry Fink geführte Gesellschaft Kapitalvermögen in Höhe 6,5 Billionen US-Dollar.
6 – Volvo berichtet über das zweite Quartal
Der schwedische Nutzfahrzeughersteller legt am Freitagmorgen seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Die Coronakrise dämpft die Nachfrage nach Lastwagen und zwingt die Hersteller, ihre Strukturen anzupassen.
Volvo-Chef Martin Lundstedt will daher rund 4100 Stellen in der zweiten Jahreshälfte abbauen. Ungefähr 15 Prozent der Kürzungen werden Beraterstellen betreffen. Etwa 1250 der Arbeitsplätze sollen in Schweden wegfallen.
7 – Daimler legt Quartalszahlen vor
Der Autobauer Daimler ist dank Kurzarbeit und Sparmaßnahmen bisher besser durch die Coronakrise gekommen als ihm Analysten das zugetraut haben. Allerdings stand nach vorläufigen Zahlen ein Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 1,68 (Vorjahr: minus 1,56) Milliarden Euro zu Buche, wie Daimler am Donnerstagabend mitteilte.
Die von Daimler befragten Experten hatten im Schnitt aber mit mehr als zwei Milliarden Euro Verlust gerechnet. Vor allem die Pkw-Sparte schnitt im Quartal besser ab als befürchtet.
Die Zahlen kommen an der Börse gut an: Nachbörslich steigt die Aktie um rund ein Prozent.
Die Kosten des vom neuen Vorstandschef Ola Källenius angeschobenen verschärften Konzernumbaus und andere Sondereffekte summierten sich auf fast eine Milliarde Euro. Das bereinigte Ebit lag bei minus 708 Millionen Euro.
Hoffnung macht Källenius der anziehende Fahrzeugabsatz im Juni: „Mit unserem überzeugenden Produktportfolio konnten wir die Chancen der Markterholung nutzen. Aber es bleibt viel zu tun.“ Kosten müssten weiter gesenkt, die Kapazitäten angepasst werden, damit Daimler auch mit weniger Umsatz schwarze Zahlen schreiben könne.
Termine Unternehmen am 17. Juli
- 07:00 Uhr, Dänemark: Danske Bank, Q2-Zahlen
- 07:00 Uhr, Schweden: Ericsson, Q2-Zahlen
- 07:20 Uhr, Schweden: Volvo AB, Q2-Zahlen
- 08:00 Uhr, Norwegen: Yara, Q2-Zahlen
- 10:00 Uhr, Deutschland: EnBW, Hauptversammlung (online)
- 11:00 Uhr, Deutschland: VW Konzern Auslieferungszahlen für Juni und das erste Halbjahr
- 12:00 Uhr, Schweden: Autoliv, Q2-Zahlen
- Deutschland: Volkswagen: Roundtable mit VW-China-Chef Stephan Wöllenstein
- Schweden: Electrolux, Q2-Zahlen
- Schweden: Investor, Q2-Zahlen
- Schweden: Telia Company AB, Q2-Zahlen
Termine Konjunktur am 17. Juli
- 08:00 Uhr, Deutschland: Verarbeitendes Gewerbe (Auftragsbestandsindex und Reichweiten) 05/20
- 09:00 Uhr, Slowakei: Verbraucherpreise 06/20
- 10:00 Uhr, Italien: Industrieaufträge 05/20
- 10:00 Uhr, Spanien: Handelsbilanz 05/20
- 11:00 Uhr, EUR: Verbraucherpreise 06/20
- 14:30 Uhr, USA: Baugenehmigungen- und beginne 06/20
- 16:00 Uhr, USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen 07/20 (vorläufig)
- EUR: Moody's Ratingergebnis Portugal
- EUR: Fitch Ratingergebnis Slowenien
- EUR: S&P Ratingergebnis Russland
Sonstige Termine
EU: Informelle Videokonferenz der EU-Arbeits- und -Sozialminister zur sozialpolitischen Lage in der Krise; Für 13 Uhr ist eine Pressekonferenz mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), EU-Beschäftigungskommissar Nicolas Schmit, der portugiesischen Arbeitsministerin Ana Mendes Godinho und ihrem slowenischen Amtskollegen Janez Cigler Kralj geplant
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July 17, 2020 at 11:00AM
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Börse am 17. Juli: Sieben Punkte, die für Anleger heute wichtig sind - Handelsblatt
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