
46 Prozent hat der US-amerikanische Leitindex S&P 500 seit seinem diesjährigen Tiefstand am 23. März hinzugewonnen. Mittlerweile ist er damit wieder nah an seinem Rekordhoch aus dem Februar. Der Technologie-Index Nasdaq hat derweil schon wieder Spitzenwerte erreicht: Mit einem Plus von 55 Prozent seit März schloss er zuletzt. Damit sind beide Indizes noch knapp hinter dem Dax, der seit Mitte März ein Plus von 56 Prozent hingelegt hat.
Den Aufschwung nutzen in den USA jetzt vor allem Konzernchefs und Manager aus. Sie müssen bei der Börsenaufsicht SEC angeben, wenn sie Aktien ihres eigenen Unternehmens handeln. Die Konzernlenker zählen dabei logischerweise als Insider, die über genaueres Wissen über die jeweiligen Firmen verfügen als außenstehende Anleger. Ihre Transaktionen geben deswegen einen Einblick in die Stimmung der Konzerne.
Insider verkaufen bis zu fünf Mal so viele Aktien wie sie kaufen
So kauften Insider im März stark Aktien ihrer eigenen Konzerne ein. Das wurde damals richtigerweise so gedeutet, dass die CEOs die Talsohle der Krise gekommen sahen. Und tatsächlich sind die Kurse seitdem enorm angestiegen.
Jetzt gibt es den umgekehrten Fall: Im Juni verkauften Insider fünf Mal so viele Aktien ihrer eigenen Konzerne wie sie kauften. Das meldet sie Analysefirme Washington Service. Die Webseite InsiderInsights kommt zumindest auf ein Verhältnis von 3 zu 1. In jedem Fall sind es aber selten gesehene Schwankungen. Diese Rate gilt laut des Portals als Schwelle dafür, dass ein Markthoch zumindest kurzfristig erreicht sein könnte. "Die Warnleuchten unseres Indikators sind an. Ich sage jetzt nicht, dass alle ihre Aktien verkaufen sollten. Aber vielleicht ist jetzt die Zeit gekommen, ein paar Gewinne mitzunehmen", sagt Jonathan Moreland von InsiderInsights.
Große Summen bewegen die Insider dabei allerdings nicht. Ihre Transaktionen haben also kaum einen direkten Einfluss auf die Kursbewegungen. In der vergangenen Woche etwa kaufen Insider Aktien im Wert von 52,6 Millionen Dollar, während sie 3,4 Millionen Dollar durch Verkäufe einnahmen. Zum Vergleich: Selbst eine wenig gehandelte Aktie des S&P 500 kommt im selben Zeitraum auf ein Handelsvolumen von rund 100 Millionen Dollar.
Verhalten sagt wenig über Marktentwicklung aus
Zwar geben die Insider-Trades einen Einblick in die Stimmung in den US-Chefetagen, es ist aber schwer, daraus Markttrends abzuleiten. Sicher ist nur, dass die Konzernbosse damit rechnen, dass der Wert ihrer eigenen Firma nicht mehr signifikant steigen wird – sonst würden sie ihre Aktien wohl weiter halten.
Allerdings lassen sich daraus wenig Rückschlüsse auf die Börse insgesamt ziehen. Lagen die Insider mit ihren Käufen im März etwa goldrichtig, setzte schon Anfang des Jahres eine ähnliche Verkaufswelle ein. Damals war Corona weltweit noch kein Thema, stattdessen stieg der S&P bis Mitte Februar auf einen neuen Rekord – die Konzernbosse hatten sich also vertan. Einen ähnlichen Fehler machten sie auch schon im Januar 2018, während Kaufwellen von Insidern 2017 und 2019 tatsächlich starke Kursgewinne folgten.
Zu den größten Insider-Verkäufern im Juli bisher gehören unter anderem James P. Murphy, Vorstand bei der Warenhaus-Kette Costco und der Vertriebschef des Telekom-Anbieters Broadcom. Während Costcos-Aktie seit März unterdurchschnittlich performt hat und nur 16 Prozent hinzugewann, kann sich Broadcoms Vorstand über einen dicken Gewinn freuen: Die Telekom-Aktie schoss um 68 Prozent nach oben.
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Börse aktuell: Dax nach Gewinnmitnahmen vor neuer Belastungsprobe
Nach dem kurzzeitigen Sprung über 13.000 Punkte auf das Februar-Niveau zu Beginn des Corona-Crash steht der Dax in der neuen Woche vor einer neuerlichen Belastungsprobe.
Der Leitindex war vor wenigen Tagen bis auf 13.313 Punkte gestiegen und hatte damit den Corona-Crash fast ausgebügelt. Das war ein Plus von mehr als 60 Prozent seit dem März-Tief. Bereits vor dem Wochenende zeigte der Index allerdings Schwächeanzeichen, nach drei Gewinnwochen in Folge verbuchte er letztlich wieder eine schwache Woche. Der Dax fiel am Freitag um 2,02 Prozent auf 12.838,06 Punkte - das ergab ein Wochenminus von 0,6 Prozent.
Anleger sorgen sich wieder mehr um die Folgen der Corona-Krise. Als Belastung hinzu kommen die Beziehungen zwischen China und den USA, die immer angespannter werden.
Ein Risiko für den Aktienmarkt dürften in den kommenden Tagen wohl die Virus-Infektionszahlen bleiben. Laut den Experten der Helaba vermittelten die Aktienmärkte zuletzt den Eindruck, die Pandemie sei besiegt. Neueste Entwicklungen zeigen aber, dass die Gefahr einer zweiten Welle real bleibt. Während in den USA die Infektionszahlen schon länger steigen, warnten am Freitag auch Frankreich und Spanien wieder vor zunehmenden Fällen.
"Die guten Nachrichten sind schon in den Kursen eingepreist"
Ob die zuletzt kursstützende Saison der Quartalsberichte dem Dax noch weiter nach oben verhelfen kann, gilt unter Experten zumindest als fraglich. Laut dem CMC-Marktexperten Jochen Stanzl zeigte der Kursrutsch vor dem Wochenende, dass am Markt ein gewisser Gewöhnungseffekt unter den Anlegern eingetreten sei. „Wenn nach guten Zahlen verkauft wird, ist dies in der Regel ein Hinweis darauf, dass die Nachrichten schon in die Kurse eingepreist und die Erwartungen entsprechend hoch waren.“
Von vielen Konzernen sind mittlerweile längst Eckdaten bekannt, darunter auch vom Softwarekonzern SAP, der die neue Woche am Montag mit detaillierten Zahlen einläutet. Am Dienstag ist die Agenda abgesehen von Delivery Hero eher USA-lastig. Am Mittwoch gibt es dann unter anderem finale Quartalsberichte von der Deutschen Bank und dem Chemiekonzern BASF. Am Donnerstag gilt es dann Zahlen von Fresenius, Linde, Volkswagen und HeidelbergCement zu verarbeiten, bevor es zu Wochenschluss wieder etwas ruhiger wird.
July 25, 2020 at 11:16PM
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Börse: Bosse verkaufen in Scharen die Aktien ihrer Firmen - FOCUS Online
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