
Zum Auftakt des EU-Gipfels über den geplanten 750 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds halten sich Anleger mit Engagements an den europäischen Aktienmärkten zurück. Dax und EuroStoxx50 notierten am Freitagvormittag jeweils kaum verändert bei 12.901 beziehungsweise 3361 Punkten. Gleiches galt für den Euro, der 1,1397 Dollar kostete.
"Die Chancen auf ein Abkommen stehen zwar deutlich besser als noch vor einigen Monaten", sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. "Es gibt aber weiterhin zahlreiche Hürden, und die Verhandlungen könnten sich in die Länge ziehen." Das spiele aber ebenso wenig eine Rolle wie die finanziellen Details einer Einigung, betonten die Experten der Rabobank. "Das Hauptaugenmerk liegt auf der Frage, ob der Rubikon einer Vergemeinschaftung von Schulden überschritten wird."
Sorgen bereiteten Anlegern die steigenden Coronavirus-Infektionen in den USA. Die regional wieder verschärften Pandemie-Beschränkungen drohten den Einzelhandel in den betroffenen US-Regionen zu lähmen, warnte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Die Dynamik des Aufschwungs könnte dadurch an Fahrt verlieren." Vor diesem Hintergrund verteidigte die "Antikrisen-Währung" Gold die wichtige Marke von 1800 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) und blieb auf Tuchfühlung mit ihrem jüngsten Neun-Jahres-Hoch.
DAIMLER UND VOLVO ÜBERZEUGEN MIT ZAHLEN
Unterdessen lieferte die laufende Bilanzsaison dem Aktienmarkt positive Impulse. Mit Erleichterung reagierten Anleger auf den geringer als befürchtet ausgefallenen Quartalsverlust von Daimler. Das komme zwar nicht völlig unerwartet, kommentierte Citigroup-Analyst Angus Tweedie. Lobenswert sei aber der überraschend starke freie Cashflow. Er gehe davon aus, dass Analysten ihre Gesamtjahres-Prognosen anheben werden. Daimler-Aktien stiegen um 3,6 Prozent. In ihrem Windschatten gewannen die Rivalen BMW, und Volkswagen jeweils etwa 2,5 Prozent.
Auch Volvo überzeugte mit seinem Quartalsergebnis. Der Lkw-Bauer habe die Erwartungen in jeder Hinsicht übertroffen, lobte Analyst Himanshu Agarwal von der Investmentbank Jefferies. Volvo-Papiere verteuerten sich in Stockholm um gut zwei Prozent. Der europäische Index der Automobilbranche rückte knapp zwei Prozent vor.
Auch Ericsson machte im abgelaufenen Quartal mehr Gewinn als erwartet. Eckpfeiler des "grundsoliden" Quartalsergebnisses des schwedischen Netzwerk-Ausrüsters sei die starke US-Nachfrage, konstatierten die Analysten der Handelsbanken. Außerdem seien die Restrukturierungskosten niedrig. Ericsson-Aktien steuerten mit einem Kursplus von zeitweise knapp zehn Prozent auf den größten Tagesgewinn seit mehr als zwei Jahren zu.
rtr
Bildquelle: Julian Mezger für Finanzen Verlag
July 17, 2020 at 12:53PM
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