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Monday, July 20, 2020

Anleger blicken nach Brüssel: Dax startet im Minus - Biontech profitiert von Impfstoff-Deal mit Großbritannien - manager magazin

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Am deutschen Aktienmarkt ist es am Montag nach einer starken Vorwoche moderat abwärts gegangen. Der Leitindex Dax verlor kurz nach dem Börsenauftakt 0,7 Prozent und fiel unter die Marke von 12.850 Punkte, hatte allerdings auch die vergangenen drei Wochen in Summe deutlich zugelegt und sich der Hürde von 13.000 Punkten genähert. Der Index der mittelgroßen Werte MDax sank am Morgen ebenfalls um 0,51 Prozent und damit auf 26.800,90 Zähler. Der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 0,64 Prozent auf 3343,96 Punkte.

Im Blick der Anleger steht vor allem der EU-Sondergipfel. Weil den EU-Spitzen beim Ringen um das billionenschwere Finanzpaket der Union noch kein Durchbruch gelungen ist, sollen nach nächtlichen Verhandlungen die Gipfelberatungen abermals verlängert und am Nachmittag fortgesetzt werden. Nach wie vor gibt es Differenzen zwischen einigen Nordländern, die auf geringere Zuschüsse als die ursprünglich vorgesehenen 500 Milliarden pochen, und den Südländern, die keine Bedingungen für die Hilfen akzeptieren wollen. Sowohl der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte (53) als auch Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (33) wiesen am Montagmorgen aber auf Fortschritte bei den Beratungen hin.

Das tagelange Ringen um einen Ausweg aus der verfahrenen Debatte um den künftigen Finanzrahmen von 2021 bis 2027 und den geplanten Aufbaufonds zu finden, der besonders von der Corona-Krise betroffenen Staaten helfen soll, wird als Zeichen gewertet, dass die 27 EU-Regierungschefs in Brüssel unbedingt eine Einigung finden wollen. Zum Wochenschluss am Freitag hatten Kursgewinne bei den Autowerten dem Dax um 0,4 Prozent auf 12.919 Punkte nach oben geholfen.

Wie immer, wenn es in Europa um gemeinsame Schulden und Steuertransfers gehe, liefen die Gespräche zunächst in die Sackgasse, kommentierte Marktanalyst Jeffrey Halley vom Broker Oanda. Und "nicht nur in der EU wird über weitere Finanzhilfen zur Bewältigung der Coronakrise gestritten", konstatiert Devisenexpertin Thu Lan Nguyen. Auch in den USA zeichne sich keine schnelle Einigung im Disput um die zu Beginn der Corona-Krise beschlossenen Zuschüsse zur Arbeitslosenhilfe ab. Die Börsen etwa dürften zugleich eher mehr als weniger Hilfen sehen wollen, schrieb sie und verwies auf die Warnung in den USA vor den Folgen eines plötzlichen Auslaufens der Corona-Nothilfsprogramme. Denn auch wenn die US-Arbeitslosenquote im Mai und Juni schneller gefallen sei als erwartet, sei sie nach wie vor auf einem besorgniserregend hohen Niveau. "Entsprechend groß sind die Befürchtungen vor einem Wegbrechen des privaten Konsums, sollten die Finanzhilfen für von der Krise betroffene Haushalte diesen Monat auslaufen."

Biontech profitiert von Impfstoff-Deal mit Großbritannien

Unternehmensseitig dürfte es hierzulande recht ruhig zugehen, denn die Berichtssaison ist in Deutschland noch nicht richtig gestartet. Im Blick könnte der Solar- und Windparkbetreiber Encavis stehen, der den Zukauf eines weiteren Windparks in Frankreich mit einer Gesamtleistung von 11,5 Megawatt für einen Fonds meldete. Angaben über die Kosten des Erwerbs wurden keine gemacht. Die Aktie legte auf Tradegate im Vergleich zum Xetra-Börsenschluss am Freitag leicht zu.

Auch die Papiere des Mainzer Unternehmens Biontech könnten Beachtung finden. Auf Tradegate stieg die Anteilsscheine des in erster Linie an der US-Börse Nasdaq gehandelten Biotechnologie-Unternehmens bereits spürbar. Gemeinsam mit dem US-Pharmakonzern Pfizer hat es mit Großbritannien eine erste Liefervereinbarung über einen möglichen, gerade in der Entwicklung befindlichen Corona-Impfstoff geschlossen. Finanzielle Details wurden nicht bekannt. Vorbehaltlich einer behördlichen Genehmigung oder Zulassung sollen 30 Millionen Dosen des Impfstoffkandidaten "BNT 162" geliefert werden, voraussichtlich in den Jahren 2020 und 2021.

In Japan hat der Nikkei am Montagmorgen (MEZ) 0,1 Prozent fester geschlossen bei 22.717 Punkten. Die Anleger an den asiatischen Börsen haben sich am Montag zunächst pessimistisch gezeigt. Ein Anstieg der weltweiten Coronavirus-Fälle insbesondere in den USA drückte die Kauflaune und der Fokus der Investoren verlagerte sich auf das Gipfeltreffen der Europäischen Union.

Der Euro hat am Montag leicht zugelegt. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1440 US-Dollar und damit etwas mehr als im asiatischen Handel. Der Euro liegt weiter in der Nähe seines höchsten Stands seit März. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,1428 Dollar festgesetzt. Auch im Devisenbereich blicken Analysten und Anleger gespannt auf das Gipfeltreffen der europäischen Staats- und Regierungschefs. An Konjunkturdaten stehen zum Wochenstart eher Zahlen aus der zweiten Reihe mit geringerer Marktrelevanz auf dem Programm. Es äußern sich jedoch einige hochrangige Notenbanker, darunter EZB-Vizepräsident Luis de Guindos (60).

Ölpreise geben leicht nach

Die Ölpreise sind mit leichten Abschlägen in die neue Handelswoche gestartet. Starke Impulse gab es zunächst nicht. Am Montagmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 42,88 US-Dollar. Das waren 26 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 23 Cent auf 40,52 Dollar.

Nach wie vor steht der Ölmarkt im Bann gegenläufiger Kräfte. Auf der einen Seite sorgen sich die Anleger über die Entwicklung der Corona-Pandemie in großen Volkswirtschaften wie den USA. Dort ist die Lage in einigen Bundesstaaten nach wie vor sehr angespannt. Zuletzt hatte sich die Situation auch in einigen europäischen Ländern wieder etwas verschlechtert.

Auf der anderen Seite stehen das Ölkartell Opec und verbündete Staaten wie Russland. Sie deckeln nach wie vor ihre Förderung, wenngleich die Produktion ab August etwas steigen soll. Bisher hat der Ölmarkt diese Anhebung jedoch gut weggesteckt. Einige Fachleute geben dennoch zu bedenken, dass der Schritt angesichts der krisenbedingt schwachen Nachfrage zu früh kommen könnte.




July 20, 2020 at 01:23PM
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