
Düsseldorf Am Aktienmarkt steigen die Kurse, obwohl Analysten schlechte Quartalszahlen erwarten und ihre Gewinnerwartungen kappen. Sind die Anleger zu sorglos? Auch am Montagmorgen notiert der deutsche Leitindex auf außerbörslichen Handelsplattformen vorbörslich leicht im Plus.
In Europa haben sich viele Börsianer zumindest zu Beginn der Woche angesichts wieder steigender Infektionszahlen mit Engagements eher zurückgehalten. Der Dax ging am Montag unverändert bei 12.838 Punkten aus dem Handel.
In den USA hingegen legten die Kurse zu. Das lag vor allem an der Nachfrage nach Technologieaktien. Die Titel von Apple, Amazon, Facebook und Google-Mutter Alphabet waren bei Anlegern gefragt. Sie gehörten damit zu den wichtigsten Triebfedern für S&P und Nasdaq.
Wird auch die Rally am Edelmetallmarkt anhalten? Der Goldpreis erreichte am Montag ein neues Rekordhoch und kletterte in der Spitze um mehr als zwei Prozent auf 1945 Dollar pro Feinunze (rund 31 Gramm). Diesmal könnte der Aufschwung der Auftakt zu einem neuen zyklischen Aufwärtstrend bei Edelmetallen sein.
Die Gründe für die Rally: In der Corona-Pandemie suchen verunsicherte Investoren nach einem sicheren Hafen, dazu kommen weltweit niedrige oder gar negative Realzinsen, die wachsenden geopolitischen Spannungen vor allem zwischen China und den Vereinigten Staaten sowie die Schwäche des Dollars.
Für Bewegung an den Märkten dürften auch die neusten Zahlen von Opel-Mutter PSA sorgen. Zudem entscheidet der Bundesgerichtshof über zwei Schadensersatz-Klagen gegen VW im Dieselskandal. In den USA hat der deutsche Autobauer seinen Kunden fast zehn Milliarden Dollar Entschädigung gezahlt.
1 – Handel in den USA
In der Hoffnung auf ein weiteres billionenschweres Corona-Hilfspaket haben US-Anleger zum Wochenauftakt zu Aktien gegriffen. Der Dow Jones der Standardwerte legte am Montag 0,4 Prozent zu auf 26.584,77 Punkte. Der breiter gefasste S&P gewann 0,7 Prozent auf 3239 Zähler, der Index der Technologiebörse Nasdaq notierte 1,7 Prozent fester bei 10.536 Punkten
Der führende Republikaner im US-Senat, Mitch McConnell, kündigte unter anderem eine Zahlung von 1200 Dollar an jeden Bürger an. Zudem enthalte das Paket ein Programm, um die Produktion von Schutzmaterial in den USA zu fördern. Einem Bericht zufolge wollen die Republikaner zudem die wöchentliche Arbeitslosenhilfe deutlich kürzen, bis ein neues einkommensabhängiges System in Kraft tritt. Die Zeit drängt; die bisherigen Hilfen laufen am Freitag aus.
Einige Investoren zweifelten daran, ob das nun im Raum stehende Paket ausreicht. Das lasse sie zu sicheren Häfen greifen, sagte Kristina Hooper, Chefstrategin bei der Vermögensverwaltung Invesco. „Sie sorgen sich, dass die wirtschaftliche Erholung langsam und stockend verläuft.“
Hooper verwies auf die hohen Neuinfektionen. „Wir kennen die Zerbrechlichkeit der US-Haushalte und wissen auch, dass ein großer Teil der Konjunkturerholung bislang von Hilfspaketen abhängt.“.
2 – Handel in Asien
Die Börse in Tokio hat sich am Dienstag zunächst stärker gezeigt. Sie folgte damit den US-Vorgaben, die von der Hoffnung auf ein weiteres Coronavirus-Hilfspaket der Regierung in Washington getragen wurden.
Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 0,5 Prozent höher bei 22.836 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 0,3 Prozent und lag bei 1581 Punkten.
Die Börse in Schanghai lag 0,7 Prozent im Plus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Schanghai und Shenzen gewann 0,9 Prozent. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans stieg ebenfalls um 0,9 Prozent.
3 – Opel-Mutterkonzern PSA legt Halbjahreszahlen vor
Der Opel-Mutterkonzern PSA legt in Vélizy-Villacoublay bei Paris seine Geschäftszahlen für das erste Halbjahr vor. Der Hersteller mit den Stammmarken Peugeot und Citroën hatte bereits mitgeteilt, dass der Absatz von Fahrzeugen von Januar bis Ende Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45,7 Prozent eingebrochen war. Grund war vor allem die Coronakrise.
PSA will mit dem italienisch-amerikanischen Hersteller Fiat-Chrysler (FCA) fusionieren und den viertgrößten Autokonzern der Welt bilden. Das neue Unternehmen soll dann „Stellantis“ heißen. Die EU-Wettbewerbshüter hatten Bedenken geltend gemacht und eine vertiefte Prüfung eingeleitet, die sich bis 22. Oktober hinziehen könnte. Die Fusion soll nach Plänen der Unternehmen Anfang des kommenden Jahres abgeschlossen werden.
4 – Bundesgerichtshof klärt weitere wichtige Fragen im VW-Dieselskandal
Der Bundesgerichtshof (BGH) verhandelt die nächsten zwei Schadenersatz-Klagen von Diesel-Käufern gegen Volkswagen. Es ist davon auszugehen, dass die Karlsruher Richter weitere wichtige Fragen klären. In dem einen Fall geht es darum, ob VW erfolgreichen Klägern zum geschuldeten Schadenersatz noch Zinsen für die Zeit seit Kauf des Autos zahlen muss (Az. VI ZR 397/19).
Die andere Frage ist, ob Diesel-Besitzer auch dann Ansprüche gegen den Konzern haben können, wenn sie ihr Auto erst nach Auffliegen des Dieselskandals im Herbst 2015 gekauft haben (Az. VI ZR 5/20). Ob am Dienstag schon ein Urteil verkündet wird, ist offen.
Die grundsätzliche Linie hat der BGH mit seinem ersten Diesel-Urteil vom 25. Mai bereits vorgegeben. Darin ist festgestellt, dass der Wolfsburger Autobauer seine Kunden bewusst getäuscht hat und deshalb prinzipiell haftet. Bei der Berechnung der Schadenersatz-Summe müssen sich Kläger aber die gefahrenen Kilometer anrechnen lassen.
Die Käufer von Volkswagen-Dieselfahrzeugen in den USA haben derweil nach Angaben der US-Handelskommission FTC mehr als 9,8 Milliarden Dollar erhalten. In ihrem Abschlussbericht erklärte die FTC am Montag, VW habe eingewilligt, mehr als 500.000 Dieselautos in den USA zurückzukaufen oder zu reparieren, die gegen die Abgasvorschriften verstießen.
Mehr als 86 Prozent der Autokäufer hätten ihr Fahrzeug zurückgegeben, schrieb die FTC. Mit 9,5 Milliarden Dollar beglich VW den Löwenanteil der Entschädigungen in dem Abgasskandal, der Rest der Summe entfiel auf den Zulieferer Bosch.
5 – Erlaubt die EU-Kommission Alstoms Übernahme der Bombardier-Zugsparte?
Die EU-Kommission stellt sich Insidern zufolge nicht gegen die Übernahme der Zug-Sparte von Bombardier durch den französischen Rivalen Alstom. Die Wettbewerbshüter aus Brüssel seien bereit, die bis zu 6,2 Milliarden Euro schwere Fusion unter Auflagen zu genehmigen, sagten zwei mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.
Die Franzosen hätten die angebotenen Zugeständnisse noch an einigen Stellen angepasst, um die Bedenken der EU auszuräumen. Die EU-Kommission will bis Freitag zu dem Fall Stellung nehmen. Dabei geht es darum, die Fusion entweder durchzuwinken oder in eine vertiefte Prüfung einzusteigen. Die EU und Alstom wollten sich bislang nicht zu den Informationen äußern.
6 – BP legt Zahlen vor
Der britische Ölkonzern BP legt am Dienstag seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Das Unternehmen hatte bereits Abschreibungen in Milliardenhöhe angekündigt. Es zieht Konsequenzen aus den gesunkenen Preisen für fossile Brennstoffe. Auch Wettbewerber des Konzerns hatten wegen der nachlassenden Öl- und Gas-Nachfrage im Zuge der Virus-Pandemie bereits neu kalkuliert.
Termine Unternehmen am 28. Juli
- 7.00 Uhr, Österreich: Bawag Group, Q2-Zahlen
- 7.00 Uhr, Niederlande: BE Semiconductor, Halbjahreszahlen
- 7.00 Uhr, Deutschland: Delivery Hero, Q2-Zahlen
- 7.00 Uhr, Deutschland: Voltabox, Q1-Zahlen
- 7.30 Uhr, Frankreich: Rexel, Halbjahreszahlen
- 8.00 Uhr, Frankreich: PSA, Halbjahreszahlen
- 8.00 Uhr, Großbritannien: Reckitt Benckiser, Q2-Zahlen
- 10.00 Uhr, Deutschland: Baywa, Hauptversammlung (online)
- 10.30 Uhr, Deutschland: Adcapital, Hauptversammlung (online)
- 12.30 Uhr, USA: 3M, Q2-Zahlen
- 12.45 Uhr, USA: Pfizer, Q2-Zahlen
- 12.55 Uhr, USA: Raytheon Technologies, Q2-Zahlen
- 13.00 Uhr, USA: McDonald's, Q2-Zahlen
- 13.00 Uhr, USA: Altria Group, Q2-Zahlen
- 17.45 Uhr, Frankreich: Kering, Q2-Zahlen
- 18.00 Uhr, Niederlande: ASM International, Q2-Zahlen
- 22.05 Uhr, USA: Mondelez, Q2-Zahlen
- 22.10 Uhr, USA: Ebay, Q2-Zahlen
- 22.15 Uhr, USA: Visa Q3-Zahlen
- 22.15 Uhr, USA: Starbucks, Q3-Zahlen
- 22.25 Uhr, USA: AMD, Q2-Zahlen
Termine Unternehmen am 28. Juli (ohne Zeitangabe)
- Deutschland: PSI Software, Halbjahreszahlen
- Spanien: Endesa, Halbjahreszahlen
- Spanien: Enagas, Q2-Zahlen
- Frankreich: Carrefour, Halbjahreszahlen
- USA: Amgen, Q2-Zahlen
- USA: Corning, Q2-Zahlen
- USA: Edison, Q2-Zahlen
- USA: Jetblue Airways, Q2-Zahlen
- USA: Harley-Davidson, Q2-Zahlen
- USA: Avis Budget, Q2-Zahlen
Termine Konjunktur am 28. Juli
- 9.00 Uhr, Spanien: Arbeitslosenquote Q2/20
- 16.00 Uhr, USA: Verbrauchervertrauen 07/20
- 16.00 Uhr, USA: Richmond Fed Herstellerindex 07/20
- 22.30 Uhr, USA: API Ölbericht (Woche)
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July 28, 2020 at 11:43AM
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Börse am 28. Juli: Sechs Punkte, die für Anleger heute wichtig sind - Handelsblatt
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